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„Sicherheit anbieten, dass man es schaffen kann." Wie EUKI den Nachwuchs in der Kindergarten-Eurythmie fördert

1. Okt.
8 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 5. Okt.

Wie steht es um den Nachwuchs in der Kindergarten-Eurythmie? Was brauchen Berufseinsteiger:innen, um in diesem Feld sicher zu arbeiten? Und was kann entstehen, wenn eine Berufsgruppe erst genau hinschaut und dann handelt?


2021 befragte EUKI, die Fachgruppe Eurythmie im Kindergarten im Berufsverband Eurythmie e.V., alle Waldorfkindergärten in Deutschland. Aus den Ergebnissen entstand eine Fortbildung, deren erste Runde 2025 startete. Dieser Beitrag stellt die Ergebnisse der Befragung vor und zeigt, wie daraus die Fortbildung „Elementare Eurythmie im Kindergarten" wurde.



Für diesen Artikel hat Maike Adam die Auswertung der Umfrage und den Bericht zur ersten Fortbildungsrunde in der AUFTAKT (Nr. 99, April 2026) gesichtet. Ergänzt wird das durch die Antworten von Ada Bachmann und Miranda Markgraf, Dozentinnen der Fortbildung. Fotos: Franzsika Strauss




Wie die Befragung entstand

Die Befragung hat, so Ada Bachmann, „eine lange Vorgeschichte": 2016 stellten Kjell Häggmark und Gila Rebmann auf einer Konferenz in Lübeck fest, „dass es doch wirklich notwendig scheint, mehr voneinander zu wissen – von Eurythmist:innen und Erzieher:innen". Während der Coronazeit entstand „ein erster Fragebogen und der Impuls, sich der Sache anzunehmen".

2021 schrieb dann EUKI mit Unterstützung der Vereinigung der Waldorfkindergärten alle 581 dort gelisteten Kindergärten an. 243 Antworten kamen zurück - das sind 42 Prozent - und wurden im August 2021 von Gila Rebmann und Ada Bachmann ausgewertet.


Was die Befragung zeigte

Eurythmie gehört zum Waldorfkindergarten, das zeigt schon der erste Blick auf die Ergebnisse: 95 Prozent der Einrichtungen, die geantwortet haben, bieten sie an, und bei 86 Prozent war sie schon immer Teil des pädagogischen Konzepts. Viele Kindergarten-Eurythmist:innen bleiben außerdem sehr lange. Fast die Hälfte arbeitet seit mehr als zehn Jahren im selben Kindergarten, mehr als 15 Prozent sogar seit mehr als zwanzig. Die Auswertung fragt, ob sich darin eine starke Bindung und Treue zeigt, wenn es in der Eurythmie mit den Kindern und im Zusammenspiel mit den Erzieher:innen gut läuft.

Und dann kommt die Zahl, die sorge bereitet: Rund 63 Prozent der Kindergarten-Eurythmist:innen sind älter als 55 Jahre. Nur rund 9 Prozent sind zwischen 25 und 40, und unter 25 Jahren ist niemand angegeben. Die Auswertung hält fest, dass schon jetzt nicht mehr alle Kindergärten in Deutschland mit Eurythmie versorgt sind. Wo sie nicht stattfindet, liegt das im Allgemeinen daran, dass keine Eurythmistin gefunden wurde.

Auch Ada Bachmann antwortet auf die Frage, welches Ergebnis sie damals am meisten überrascht oder besorgt habe „das Alter der aktiven Eurythmist:innen und der fehlende Nachwuchs in naher Zukunft". Miranda Markgraf nennt das hohe Alter des Großteils der praktizierenden Kindergarten-Eurythmist:innen und die „verschwindend geringe Anzahl an jüngeren". Was diese Zahlen für sie bedeuten, sagt sie so:

„Diese Zahlen machten deutlich, dass binnen weniger Jahre viele und immer mehr Kindergärten ohne Eurythmie sein werden, wenn sich der Trend nicht ändere." (Miranda Markgraf)

Die Umfrage hat aber noch mehr gezeigt, etwa wie viel Zeit die Eurythmie im Kindergartenalltag bekommt und unter welchen Bedingungen die Eurythmist:innen arbeiten.


Zeit, Anstellung, Qualifikation

Der Berufsverband Eurythmie e.V. empfiehlt für eine Eurythmie-Einheit im Kindergarten 45 Minuten, inklusive Vor- und Nachbereitung. Die Antworten zeigen, wie weit der Alltag davon oft entfernt ist: 29 Prozent der Kindergärten nehmen sich weniger als 20 Minuten, 57 Prozent 20 bis 30 Minuten. Nur rund 2 Prozent liegen zwischen 40 und 50 Minuten. Nach Einschätzung der Autorinnen der Auswertung kommen bei so wenig Zeit auch Ruhe, das Gespräch mit der Erzieherin vor und nach der Stunde, das Ankommen in der Gruppe und die Übergabe der Kinder zu kurz.

Dazu passt, wie die Eurythmist:innen beschäftigt sind: 75 Prozent arbeiten auf Honorarbasis, nur 23 Prozent sind unbefristet angestellt. Die Auswertung beschreibt, dass es in den Verhandlungen mit den einzelnen Kindergärten bisher zu wenig anerkannte Vorgaben gibt.

Und dann sind da die Menschen selbst und das, was sie mitbringen. 58 Prozent haben einen Diplomabschluss, knapp 30 Prozent zusätzlich eine fachspezifische Weiterbildung. Welche das sind, wurde in der Umfrage nicht gefragt. Die Auswertung stellt deshalb selbst die Frage, ob hier eine bisher ungenutzte Ressource liegt.


Was Erzieher:innen sich wünschen

Beantwortet haben die Umfrage übrigens die Erzieher:innen der Kindergärten, und ihre Antworten zeigen ziemlich genau, was ihnen in der Zusammenarbeit mit der Eurythmistin am Herzen liegt.

An erster Stelle steht der gemeinsame Blick auf die auf Kinder, die erhöhte Aufmerksamkeit und Zuwendung brauchen: 93 Prozent möchten die Wahrnehmung und Unterstützung dieser Kinder mit der Eurythmistin abstimmen. Kein anderes Thema fand mehr Zustimmung. Ebenfalls für jeweils 91 Prozent gehören eine vertrauensvolle Zusammenarbeit und genügend Ruhe und Zeit für die Eurythmie zu den wesentlichen Elementen. Vergleicht man das mit der Zeit, die tatsächlich zur Verfügung steht, zeigt sich ein Spannungsfeld.

Von der Eurythmistin selbst erwarten die Erzieher:innen am häufigsten Kommunikationsfähigkeit und pädagogisches Geschick, beides halten je 92 Prozent für wichtig oder sehr wichtig. Dicht dahinter folgen die Kenntnis des Erziehungskonzepts im Waldorfkindergarten mit 91 Prozent und die Erfahrung im Wahrnehmen einzelner Kinder mit 90 Prozent. Ein abgeschlossenes Eurythmie-Grundstudium ist mehr als 80 Prozent wichtig, Berufserfahrung etwa zwei Dritteln und eine pädagogische Zusatzausbildung etwas mehr als der Hälfte.

Ermutigend ist, was die Antworten über den Nachwuchs sagen: 45 Prozent der Kindergärten bieten Hospitationen für angehende Eurythmist:innen bereits an, weitere 29 Prozent klären das gerade, zusammen sind es 74 Prozent. Und mehr als ein Drittel wünscht sich Begleitung für Berufsanfänger:innen oder erfahrene Kindergarten-Eurythmist:innen, durch Hospitation, Mentorierung oder Beratung.


Von den Ergebnissen zur Fortbildung

Umso erfreulicher ist es, dass es bei diesen Ergebnissen nicht geblieben ist. Aus ihnen ist etwas Konkretes entstanden.

Miranda Markgraf sagt: „Wir sind mit der Vereinigung der Waldorfkindergärten seit Jahren in gutem Kontakt." Zusammengekommen sei einiges: die Tendenz, die die Zahlen zeigen, die Tatsache, dass es tatsächlich keine umfassende Fortbildung für die Elementare Eurythmie im Kindergarten gab, und ein bereits vorhandenes Team aus erfahrenen Eurythmist:innen und Pädagog:innen. Daraus entstand die Idee, die Fortbildung gemeinsam von der Vereinigung der Waldorfkindergärten und der Fachgruppe EUKI ins Leben zu rufen.

Ada Bachmann beschreibt diesen Moment so:

„Als Ergebnis der Befragung entstand von drei Seiten – Vereinigung der Waldorfkindergärten, EUKI, Sektion am Goetheanum – das dringende Bedürfnis, gemeinsam eine Fortbildung zu kreieren." (Ada Bachmann)

So wird die Fortbildung ausgerichtet vom Berufsverband Eurythmie e.V. und der Vereinigung der Waldorfkindergärten in Deutschland, in Kooperation mit der Sektion für Redende und Musizierende Künste am Goetheanum. Unterrichtet wird sie von Birgit Krohmer von der Vereinigung der Waldorfkindergärten sowie von Ada Bachmann, Gila Rebmann, Kjell Häggmark und Miranda Markgraf von der Fachgruppe EUKI.


Was der Fortbildung wichtig war

Wer verstehen will, was diese Fortbildung ausmacht, muss wissen, was es vorher gab. Miranda Markgraf berichtet, dass die meisten Kindergarten-Eurythmist:innen bislang nach dem Prinzip Learning by Doing in den Beruf gestartet sind, teils ganz ohne Vorbereitung durch andere.

„Bislang gab es lediglich kürzere Erwähnungen der Kindergarteneurythmie innerhalb von pädagogischen Eurythmie-Ausbildungen oder verstreute selbstorganisierte Angebote von Einzelpersonen. Unsere Fortbildung sollte alle Bereiche dieses Berufs behandeln, umfassend, fundiert und alltagsnah auf den Beruf vorbereiten, den Einstieg begleiten oder die vorhandene Tätigkeit vertiefen und auffrischen." (Miranda Markgraf)

Von Anfang an dabei war der Wunsch, die Teilnehmenden nicht allein zu lassen: „Das persönliche Coaching jeder teilnehmenden Person durch die Dozent:innen, mit Vor-Ort-Besuchen, spielte für uns von Anfang an eine große Rolle." Genauso wesentlich ist dem Team die ganze Breite der Unterrichtsinhalte. Sie reicht von Menschenkunde und Selbstfürsorge über Textmaterial und Stimmeinsatz bis zur Zusammenarbeit mit Erzieher:innen und Eltern und zur Wirtschaftlichkeit, „wo keine Seite der beruflichen Realität vergessen wird". Und noch etwas liegt Miranda Markgraf am Herzen: Menschlichkeit und Kollegialität, auch im Umgang mit den Teilnehmer:innen. Das berücksichtige das Team bewusst in Sprache und Wortwahl, bei den Ankündigungen ebenso wie im Unterricht.

Ada Bachmann nennt drei Punkte, die ihr bei der Konzeption besonders wichtig waren: „auf Augenhöhe, kollegial zu arbeiten", Methodik und Didaktik auf der Grundlage der Menschenkunde zu vermitteln, was „in dieser konzentrierten Form absolutes Neuland in der Eurythmiefortbildungslandschaft" sei, und Coaching, „um wirklich die Teilnehmenden zu unterstützen im Berufsalltag".


Die erste Runde 2025/26

Im September 2025 ging es los. Vom 8. bis 12. September trafen sich die Teilnehmenden zur ersten Seminarwoche im Seminar der Vereinigung der Waldorfkindergärten in Hannover. Sehr schnell waren über 50 Anmeldungen eingegangen. 16 Teilnehmende bekommen in der Fortbildung Begleitung und Hospitation durch eine Eurythmist:in aus dem EUKI-Kollegium, alle mit langjähriger Praxis-Erfahrung in der Kindergarteneurythmie. Sechs weitere Kindergarten-Eurythmist:innen waren als Gäste dabei und erhielten Unterrichtsmaterialien und eine Teilnahmebescheinigung. Die 16 Absolvent:innen erhalten laut AUFTAKT ein Zertifikat der Freien Hochschule in Dornach, des Berufsverbands und der Vereinigung der Waldorfkindergärten. Auf die Seminarwoche folgten drei Wochenenden, im November 2025, im Januar und im Juni 2026, dazwischen Hospitationen und Austausch über Zoom.

Die Gruppe war bunt gemischt, von ganz jungen Kolleg:innen vor dem Einstieg bis zu sehr erfahrenen Persönlichkeiten.


Birgit Krohmer beschreibt im AUFTAKT, wie es in den Pausen zuging: Es wurde gehüpft und gesprungen, am Boden sitzend mit den Füßen lautiert, Musik und Programme wurden ausprobiert und weitergegeben, und das ganze Haus war tönend belebt.




Was hat den Nerv der Teilnehmenden getroffen? Miranda Markgraf sagt:

„Es gibt tatsächlich kein vergleichbares Angebot auf der ganzen Welt. Die erste Pilotrunde war kostenfrei, da Stiftungsgelder das gesamte Vorhaben finanziert haben. Sicher hat das vielen Interessierten eine große Hürde genommen." (Miranda Markgraf)

Ada Bachmann ergänzt: „Eurythmist:innen sind oft Freiberufler und können Kursgebühren für so ein umfassendes Jahresangebot eher nicht stemmen."

Und die Teilnehmenden selbst? Im AUFTAKT (Nr. 99, April 2026) stehen Rückmeldungen, die für sich sprechen:

„Mir hat diese Ausbildung viel Angst vor dieser für mich ganz neuen Aufgabe genommen und ich konnte nun für mich feststellen, dass es eine ganz wunderbare Arbeit ist, die ich gerne annehme und weiter machen möchte."
„Ich liebe diese Fortbildung für den Austausch und die Vernetzung, aber auch für den wunderbaren Inhalt, so fundiert, differenziert und vielfältig!"
„Diesen fruchtbaren Austausch mit Anderen im selben Berufsfeld hätte es ohne diese Fortbildung nicht gegeben."

Die zweite Runde 2026/27

Die zweite Runde ist in Planung, neue Termine werden derzeit abgestimmt und folgen in Kürze. Der Aufbau bleibt: eine Einführungswoche, zwei Blockwochenenden und ein Abschlusswochenende, jeweils im Waldorfkindergartenseminar Hannover. Dazwischen bearbeiten die Teilnehmenden Aufgaben für ihre Praxis, begleitet von Einzelgesprächen mit einer Coach:in aus dem Dozent:innen-Team. Die Coach:in besucht sie mindestens einmal im Kindergarten. Die Beitragssätze sind gestaffelt, Stipendien sind möglich, und beides wird ohne Nachweis oder Begründung vergeben: Entscheidend ist die Selbsteinschätzung der Bewerber:innen. Interessierte sind eingeladen, den Beitrag zu wählen, der für sie in diesem Moment stimmig ist.


Was sich das Team wünscht, sagt Miranda Markgraf so: „Wir wünschen uns auch in weiteren Fortbildungsrunden dazu beitragen zu können, dass einerseits die Qualität der stattfindenden Kindergarteneurythmie steigt, und dass andererseits die Eurythmist:innen sich in dem Beruf wohl, sicher und versorgt fühlen können. Wir hoffen, dass wir mehr Menschen für die Kindergarteneurythmie begeistern können, damit sie weiterhin stattfindet und allen Beteiligten Freude bringt, gesundend und bestärkend wirkt."

Ada Bachmann wünscht sich „viele Teilnehmer:innen" und „Sicherheit anbieten, dass man es schaffen kann":

„Kindergarteneurythmie ist pure Lebendigkeit und Bewegungsfreude, wo das Innere mit dem Äußeren zusammenkommt und man sich in seinem Menschsein warm bestätigt fühlen kann. Beste Grundlage, um heute ins Leben zu starten." (Ada Bachmann)

Warum uns diese Geschichte etwas angeht

Uns bewegt, was aus den Ergebnissen der Umfrage geworden ist. Es zeigt, was entstehen kann, wenn eine Berufsgruppe genau hinschaut, bevor sie handelt: aus Fragen werden Erkenntnisse, aus Erkenntnissen konkrete Handlungsmöglichkeiten.

Genau diesen Weg gehen wir mit unserer Situationsanalyse zur Eurythmie an Schulen. Auch dort ist die Ausgangslage ein Fachkräftemangel, dessen Ursachen bislang kaum systematisch untersucht sind. Am 13. August 2026 standen bei unserer Stellensuche auf der Webseite des Bund der Freien Waldorfschulen 65 offene Eurythmie-Stellen. Die Sektion für Redende und Musizierende Künste am Goetheanum berichtet zudem von einem Rückgang der Absolvent:innen an deutschen Eurythmie-Ausbildungsstätten.

Wie bei EUKI wollen wir wirklich verstehen, und dann passgenaue Lösungen vorschlagen: Was erleben Eurythmist:innen an Schulen? Was brauchen sie für ihre Arbeit? Und was brauchen Schulen als Arbeitgeber? Dafür führen wir zunächst Gespräche mit unterschiedlichen Perspektiven, mit Schulen und ihren Verantwortlichen, mit Eurythmist:innen im schulischen Alltag und mit Menschen, die außerhalb des klassischen Schulkontexts neue Formate entwickelt haben, bevor daraus eine umfassende Befragung entsteht. Aktuell befinden wir uns in der Konzeptions- und Entwicklungsphase.


Alle Informationen zur Fortbildung: euki.eurythmie.net/fortbildung

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