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„Die Menschen kommen, weil sie wissen, dass sie hier etwas Besonderes erwartet." Rückblick auf die Bonner Theaternacht 2026

1. Sept.
4 Min. Lesezeit

Am 13. Mai 2026 öffneten Kunst- und Kulturorte in ganz Bonn ihre Türen – die Bonner Theaternacht feierte ihr 20-jähriges Jubiläum! Auch das Studio einsatzstelle25 des Vereins Eventeurythmie war in diesem Jahr wieder als Spielort mit dabei.


Und nach "Sieben Jahre Bonner Theaternacht im Studio einsatzstlle25" (Blog-Artikel) konnten wir uns 2026 über einen Abend der Premieren freuen:


Zum ersten Mal waren alle Tickets ausverkauft.

Zum ersten Mal wurde das Studio vollständig zur Spielfläche.

Zum ersten Mal öffneten die Ateliers im Haus ihre Türen.


Isabelle Rennhack blickt im Gespräch mit Maike Adam auf die Bonner Theaternacht 2026 im Studio einsatzstelle25 zurück und Melaine MacDonald beschreibt die Performance (ZWISCHEN)RÄUME.


In diesem Beitrag:




Kein Bühnenrand. Kein Abstand.

Was sofort auffiel, wenn man das Studio betrat: Es gab keine Bühne. Keine Rampe, keine erhöhte Fläche, keine Grenze, die hier Kunst und dort Publikum markierte. Das gesamte Studio war Spielfläche – nur rote Streifen auf Boden und Wänden kennzeichneten Bereiche als unberührbar. „Unser Studio wurde ganz anders genutzt als sonst", sagt Isabelle Rennhack, die die Veranstaltung vor Ort seit Beginn organisiert.


„Es gab keine klassische Trennung zwischen Bühne und Publikum. Stattdessen war das gesamte Studio Spielfläche, und die Zuschauer:innen standen mitten im Raum zwischen den beiden Tänzerinnen." (Isabelle Rennhack)

Das Stück und die Tänzerinnen

Claudia Reiff – freiberufliche Tänzerin und Tanzpädagogin mit Ausbildung an der Folkwang Hochschule Essen – probt regelmäßig im Studio einsatzstelle25. So freute sich der Verein, der ihm nahestehenden Künstlerin gemeinsam mit Lisa Hofmann  – einer multidisziplinären Performerin und Choreografin mit Abschlüssen in Leipzig, Bologna und Arnheim  – die "Bühne" zu geben


Die beiden brachten die Performance (ZWISCHEN) RÄUME mit – und der Titel war Programm. In einem Spiel aus Spannung und Weichheit erforschten sie die Zwischenräume, die entstehen, wenn Menschen miteinander in Kontakt treten: Bewegungen, die sich annähern, ausweichen und wieder zueinanderfinden, ein fortwährender Dialog aus Nähe und Distanz.

Wie können wir uns einbringen, ohne uns aufzulösen? Und wie viel Abstand wollen wir in der Nähe bewahren?

Fragen, die das Stück nicht beantwortet, sondern erlebbar macht.


Infos zu dieser und anderen Aufführungen gibt es auch auf unserer Seite zur Bonner Theaternacht.


Melaine MacDonald, die an dem Abend dabei war, beschrieb das Stück so:

„Es begann mit einer schönen Einladung im Flur: dass wir als Zuschauende uns während der Vorstellung bewegen konnten – ob sitzend auf einem Stuhl oder auf dem Boden, stehend oder lehnend, man konnte selbst einen Ort im Raum aufsuchen und sich willkommen fühlen. Als wir hereingingen, zeigten rote Tape-Linien Richtungen und gaben dem Raum eine belebte Struktur. In Beziehung dazu wurde durch die klaren Gesten und Wege im Raum von den Tänzerinnen gleich ein entdeckungsfreudiges, objektives Spielfeld eröffnet. Die Atmosphäre wurde zunehmend eine von Freude – Lust, alles mitzukriegen, und Lust, etwas beizutragen. Ich fühlte mich gleich Teil des Geschehens, ob ich eine Bewegung hereingab oder still war. Wach war alles. Im Englischen sagt man ‚red tape', wenn etwas kompliziert und hinderlich ist. Hier war es das Gegenteil davon: Grenzen setzen, entgrenzen, Verbindung schaffen, neu definieren, responding, warten, zupacken, sich nähern, sich distanzieren – tänzerische Präsenz, Gesten und Bewegungen geführt und frei, offen und bestimmt. Den ganzen Raum wurde bespielt, die roten Linien wurden auf Gliedmaßen und Haut gerollt, die bewegten Körper nahmen Bezug auf den Raum, den Boden, die Wände. Nichts war permanent, geschaffene Orte und Beziehungen konnten sich in jedem Moment ändern – entstehen und vergehen. Es war so motivierend, dass einige aus dem Publikum weitertanzten, nachdem die beiden eine klare, aber offene Abrundung geschaffen hatten. ‚Red Tape' mal als befreiend erleben – das hat sich um 22:30 Uhr nachts sehr gelohnt."



Ein Abend, der sich öffnet

Das Publikum konnte sich frei bewegen, die Perspektive wechseln, sitzen, stehen oder umherlaufen. Manche Menschen beteiligten sich aktiv.


„Ich hatte das Gefühl, dass die Menschen, die zu uns kommen, wirklich etwas erleben wollen – etwas Besonderes und Ungewöhnliches. Es geht nicht nur darum, zuzuschauen, sondern selbst Teil der Erfahrung zu werden." (Isabelle Rennhack)

Das zeigte sich auch darin, wen das Studio anzieht: Mittlerweile suchen manche Zuschauer:innen den Spielort ganz bewusst aus.

„Sie wissen, dass sie dort eine besondere Atmosphäre und ein außergewöhnliches Theater-Tanzerlebnis erwartet." (Isabelle Rennhack)

Nach sieben Jahren ist das kein Zufall mehr – es ist lange erarbeitete Reputation. Den Verein, der das Wort "Event" schon im Namen freut das besonders.


Und der Abend hörte nicht an der Studiotür auf: Zum ersten Mal öffneten an diesem Abend die Ateliers im Haus des Studios ihre Türen – fünf Kunstschaffende aus den Bereichen Zeichnung, Malerei, Installation, Textil und Performance luden vor und nach den Aufführungen zum Stöbern und Schauen ein.

„Das war ganz besonders in diesem Jahr." (Isabelle Rennhack)

So entstand mehr als nur ein Tanz-Programm - ein durchgehender Abend mit Bewegung, Begegnung und bildender Kunst als gleichwertigen Teilen.



Alle teilnehmenden Ateliers sind auf unserer Seite zur Bonner Theaternacht aufgeführt.


Wie Hans Waagemann und Madeleine McDonald den Abend aus fachlicher Perspektive wahrgenommen haben, lest ihr in unserem Fachgespräch – einem unserer nächsten Artikel.


Was dieser Abend für uns bedeutet

Eine ausverkaufte Vorstellung ist ein Signal – aber nicht zum drauf Ausruhen. Sie zeigen, dass das Studio einsatzstelle25 als Aufführungsort in Bonn angekommen ist, mit einem Publikum, das zurückkommt und das weitersagt. Und sie zeigen, dass Interressebesteht für Formate, die nicht erklären, sondern einfach passieren lassen.

Die Begegnung mit Claudia Reiff und Lisa Hofmann und ihrem Stück hat gezeigt, wie bereichernd der Austausch mit anderen Tanz- und Performancekünsten sein kann – und wie Raum für Dialog entsteht, wenn man sich aufeinander einlässt. Gleichzeitig ist der Verein Eventeurythmie als Ort für Eurythmie-Performancekunst gegründet worden, und genau das möchten wir auch weiterhin sein. Für 2027 freuen wir uns sehr darauf, wieder ein Eurythmiestück auf die Spielfläche zu bringen.


Eurythmist:innen und Ensembles, die ihr Werk im Rahmen der Bonner Theaternacht 2027 im Studio einsatzstelle25 zeigen möchten, können sich ab jetzt bewerben. Alle Informationen dazu auf www.eventeurythmie.com/bonner-theaternacht.


Tickets für die nächste Theaternacht erscheinen auf bonnticket.de. Alle Infos zum Gesamtprogramm der Bonner Theaternacht auf www.bonnertheaternacht.de.







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